Margin Calls
Der Finanz-Thriller „Margin Call – Der große Crash“ hat nicht zuletzt bei der diesjährigen Viennale viel Aufsehen erregt. Als bisher einziger Film zeigt er in packender Weise die Vorgänge innerhalb eines großen US-Investmenthauses, welche die gegenwärtige Finanzkrise ins Rollen brachten, und die verzweifelten Versuche der Angestellten, den berüchtigten Margin Call, der das Ende des Unternehmens bedeuten würde, doch noch abzuwenden.
Doch was genau ist dieser gefürchtete Margin Call?
Margin
Unter dem Margin (engl.: Spanne) wird eine Sicherheitsleistung bzw. Hinterlegungssumme verstanden, die als Voraussetzung für die Teilnahme am Börsenhandel von Börsen, Clearinghäusern oder vertretungsweise von einem Broker (Makler) vom Händler gefordert wird und in unterschiedlichen Arten und Ausgestaltungen vorkommt.
Der Margin stellt grundsätzlich eine Art Pfand dar, um zu gewährleisten, dass der Börsenhändler seine beim Handel eingegangenen Verpflichtungen auch erfüllen kann, sollten sich die Kurse der von ihm gehaltenen Positionen zu seinem Nachteil entwickeln.
Der Margin wird üblicherweise auf einem speziellen Verrechnungskonto hinterlegt, auf dem die täglich verrechneten Gewinne und Verluste aller gehaltenen Positionen des Händlers erfasst werden.
Das System der Margins hat den Effekt, dass ein Händler seine Geschäfte ohne Sicherstellung der vollen Wertsumme der gehandelten Wertpapiere oder Waren (z.B. Rohstoffe) durchführen kann und nur ein Bruchteil seiner Handelspositionen tatsächlich hinterlegt werden muss.
Insbesondere beim Handel mit Termin- und Optionskontrakten (Börsentermingeschäften) spielt der Margin in verschiedener Gestalt eine wichtige Rolle. Seine Hinterlegung ist aber auch Voraussetzung beispielsweise für die Teilnahme am Handel mit Devisen und Edelmetallen.
Bei den verschiedenen im Rahmen von Börsentermingeschäften angebotenen Handelsinstrumenten wird zwischen unterschiedlichen Typen von Margins unterschieden, die die systembedingten Besonderheiten des jeweiligen Instruments berücksichtigen. So wird beispielsweise für den Handel mit Futures vor der Eröffnung einer Position von den Terminbörsen ein sogenannter Initial Margin als Sicherheitsleistung zur Abdeckung des Erfüllungsrisikos verlangt. Ergänzt wird der Initial Margin durch den sogenannten Variation Margin. Dieser dient als Puffer für alle potentiellen Verluste, die aufgrund von offenen Termingeschäften noch bestehen.
Die Höhe des Margins wird von den einzelnen Börsen unter Berücksichtigung gesetzlicher Bestimmungen anhand unterschiedlicher Systeme berechnet. Ein in Europa weit verbreitetes System stellt das Risk-Based-Margining (RBM) der Eurex Clearing AG dar, welches verschiedene Risikofaktoren aller offenen Positionen des Händlerkontos berücksichtigt. Hauptmaßstab jedes Berechnungssystems bleibt letztendlich aber die Kursvolatilität, d.h. die Höhe der zu erwartenden Preisschwankungen der gehaltenen Positionen.
Margin-Call
Entwickeln sich die schwebenden Geschäfte des Händlers zu seinem Nachteil und der Saldo der errechneten Kurse der gehaltenen Handelsinstrumente sinkt unter den Wert, der von seiner Sicherheitsleistung gedeckt ist, kommt es aufgrund der Börsenregeln automatisch zum Margin-Call (Aufruf zu weiterer Sicherheitsleistung). Mit diesem Margin-Call wird der Händler aufgefordert, zusätzliche Sicherheiten auf sein Margin-Konto nachzuschießen, damit seine Positionen weiter gehalten werden. Wird dieser Aufforderung nicht unverzüglich nachgekommen, sehen die Börsenregeln vor, dass der Broker die Positionen auch gegen die Interessen bzw. den Willen des Händlers schließen und so auch einen Verlust des Händlers realisieren kann. Diese Vorgangsweise dient der Absicherung des Brokers und anderer Börsenteilnehmer, dass sich die Verluste des Händlers nicht weiter auf ein Maß vergrößern, das der Händler nicht mehr abzudecken vermag. Gleichzeitig wird dem Händler aber die Möglichkeit genommen, die negative Entwicklung seiner Positionen „auszusitzen“ und auf einen positiven Trend für seine Positionen zu warten. Eine Realisierung der bisher nur schwebend bestehenden Verluste kann daher aufgrund der gehandelten Volumina und der insbesondere bei Börsentermingeschäften bestehenden Hebelwirkungen schnell zur Zahlungsunfähigkeit des betroffenen Händlers führen.
Daher empfiehlt es sich für Händler, liquide Mittel in ausreichender Menge in Reserve zu haben, um im Falle eines Margin-Calls, die eingegangenen Position halten zu können.
Ein historisches Beispiel für die unter Umständen dramatischen Auswirkungen von Margin-Calls stellt der Börsen-Crash von 1929 dar. Damals gewährten Broker ihren Kunden hohe Kreditlinien für den Wertpapierhandel mit nur sehr niedrigen Margins als Sicherheitsleistung. Börsengeschäfte konnten daher von vielen mit nur geringen Eigenmitteln durchgeführt werden. Nach starken Kursverlusten erfolgten Margin-Calls und viele Kunden wurden zu hohen Nachschüssen aufgefordert, welche diese aber oftmals nicht leisten konnten. In Folge dessen wurde eine große Zahl von Positionen zwangsweise geschlossen, was die Kurse weiter fallen ließ und wiederum zu weiteren Margin-Calls führte.
Für mehr Informationen zum Film siehe: http://margincallmovie.com/.

